Gedanken eines Anfängers
Es erscheint mir sinnvoll, am Anfang mit dem Anfangen anzufangen. Dabei will ich mich selbst beim Wort nehmen, mit dem, was ich vorhabe hier aufzuschreiben und beginne diesen Blog mit einigen unfertige Gedanken eines Anfängers zum Anfangen:
Schwer soll aller Anfang angeblich sein. Bei aller Schwere ist das jedoch leicht gesagt – als ließen sich alle Schwierigkeiten des Anfangens so einfach benennen, geschweige denn infolgedessen bewältigen.
Gleichzeitig weiß der Volksmund: klein soll man anfangen. In Sprache gegossene Weisheit, dass Anfänge keine großen Gesten brauchen, sondern wir mit ihnen und an ihnen Maß halten sollten. Keine großen Sprünge, sondern für jeden Schritt nur einen Schritt.
Aller Anfang ist schwer für mich, weil mein Kopf in der Regel meinen Füßen schon weit voraus ist. Er will schon wissen, wo der Weg langgeht, und am besten auch schon, wo er endet, bevor ich den ersten Schritt überhaupt gemacht habe. Mein Kopf entwirft Szenarien über mögliches Scheitern und versucht, alle erdenklichen Optionen abzudecken.
Die Magie des ersten Schrittes verpasse ich dabei. Denn ich habe schon jetzt das Gefühl, wissen und können zu müssen, was erst später gefragt ist. Als müsste im Anfangen schon die ganze Geschichte erzählt sein.
Die Aussicht des Anfangs lockt mich dennoch: Dass etwas neu und anders werden kann, dass nichts bleiben muss, wie es ist. Vielleicht wird es weiter, leichter, freier, lebendiger. Und gleichzeitig zögere ich, weil der feste Boden unter meinen Füßen sich lockert – gerade so viel, dass ich mein Gleichgewicht neu finden muss. Weil anfangen heißt, sich zu lösen, ohne zu wissen, was tragen wird.
Beides auszuhalten, Chance und Risiko, Hochgefühl und Zweifel, macht das Eigentliche des Anfangs aus: er drängt nicht zur Eindeutigkeit, sondern lädt ein, im Ungefähren zu bleiben. Ein Luftholen oder Räuspern, bevor wir beginnen, das Eigentliche zu sagen. Da liegen Aufregung und Unsicherheit eng beieinander. Etwas wird möglich ohne schon fest zu stehen. Ein Versprechen ohne Plan, Verheißung ohne Garantie und Hoffnung ohne Bedienungsanleitung.
Vom Anfang der Anfänge
„Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott.“ (Joh 1,1) So fängt Johannes mit seiner Geschichte von Jesus an: mit dem Anfang aller Anfänge. Gott sprach und es wurde, so erzählen es glaubende Juden und Christen seit tausenden Jahren einander weiter.
Markus Gabriel, der Bonner Philosoph, schreibt über den Anfang aller Anfänge, dass dieser „der einzig wahre Anfang“ wäre. „Doch wäre es ein Anfang ohne Ende, ein anfangen, das nie aufhört, ein ewiges Anfangen.“ (M. Gabriel, Sätze über Sätze, 25)
Für mich beschreibt er damit ziemlich gut, ob er das wollte oder nicht, was die tiefe Wahrheit unseres Glaubens an die Schöpfung ist. Keine historischer oder physikalischer Faktenbericht über die Entstehung des Universums, sondern eine Wahrheit über die schöpferische Kraft Gottes, die unserer Welt und uns mitgegeben ist.
Gottes Schöpfung ist der Anfang, in dem alles begründet ist und in dem jeder weitere Anfang seinen Ursprung nimmt. Ich glaube, dass Schöpfung kein Einmaliges Ereignis ist, sondern ein andauerndes Prinzip.
Das ist eine Verheißung, die in der Jahreslosung für das Jahr 2026 wunderbar auf den Punkt gebracht ist. „Gott, spricht: ‚Siehe, ich mache alles neu!‘“ (Off 21,5) Egal, ob zu Jahresbeginn 2026, oder wann auch immer ihr diese Zeilen lest, es ist immer ein guter Zeitpunkt um sich dieses Motto mitzunehmen.
Alles neu! Nichts muss bleiben, wie es ist!
Anfängergeist
Vom Autor und Psychologen Andreas Knauf habe ich den wunderbaren Begriff „Anfängergeist“ (A. Knauf, Ruhe da oben, 117) gelernt: Anfängergeist bedeutet „einer Situation, einem anderen Menschen oder auch sich selbst frisch, neu und unschuldig begegnen zu können, so als wäre es das erste Mal.“
Wortwörtlich wäre für mich so ein Anfängergeist, gierig auf das Neue zu sein, das Gott uns verheißt. Leider gehört es aber auch zur Wirklichkeit, dass dieser Geist im Laufe unseres Lebens durch das verschüttet wird, was wir über uns und die Welt gelernt haben und nun vermeintlich über uns und diese Welt wissen. Was wir können und was nicht, wie die Welt funktioniert, wie Waldmeisterbrause schmeckt, wie andere uns sehen, wie mein:e Partner:in reagiert, wenn …
All diese Dinge glaube ich über mich und andere schon zu wissen und lasse mich nicht mehr auf Neues ein. Nicht selten werden solche Glaubenssätze zu sich selbst erfüllenden Prophezeiungen. Was wir schon schon wissen bleibt das ewig Alte. Wir werden damit zu Sklaven unserer Gedanken. Unfrei, neues zu entdecken, uns selbst neu zu erfinden und neugierig auf andere zuzugehen.
Was wäre aber, wenn dieser Anfängergeist uns von Gott geschenkt wurde. Wenn er von Beginn der Schöpfung an in unserer Welt wohnt und uns zuflüstert: „Siehe, ich mache alles neu!“ Und alles, was es bräuchte, wäre die Fähigkeit, dieses Flüstern des Geistes zu hören und der Mut mitzumachen, anzufangen und neu zu beginnen. Das wäre für wahr eine Verheißung mit der Kraft, uns und sind diese Welt zu verändern und alles neu zu machen.


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